Phasen der digitalen Arbeitswelt - Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit

Wissenschaftsgeschichte 20. April 2021 - Das Schack

Die Dreifaltigkeit der Mobilität mit Verbrennungs- und E-Motoren sowie wasserstoffgetriebenen Aggregaten terminiert 2030 die Strategie einer Smart Factory für e-mobile und verstärkt deren wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Factory konkurriert mit China im Bereich des Internets der Autos. Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter verhandeln deshalb über ein Zukunftskonzept der Factory (Wissenschaftsgeschichte I) und über die Forderung der Arbeitnehmer nach Smart Office Home-Arbeitsplätzen. Während der Verhandlung über Crowdshoring, -sourcing und Personalabbau terminieren Hacker die Stromversorgung und erst die Zahlung von 100.000 Bitcoins lässt den Strom wieder fließen (Wissenschaftsgeschichte II). Eine Drohne stört das Mittagessen der Kommission, wird aber durch eine Netzpistole ausgeschaltet. (Wissenschaftsgeschichte III). Personas symbolisieren Akteure der Geschichten und geben als SchIcons gestaltet, deren Tätigkeiten wieder. Der Wissenschaftsroman Surfen auf dem digitalen Tsunami steht für die ersten fünf, die Wissenschaftsgeschichte I für die restlichen SchIcons.

Drohnen: Die ständigen Begleiter des Menschen

Kara klärt die Verhandlungskommission am Main nach dem Netzpistolenschuss auf: „Drohnen stellen eine Sicherheitsgefahr dar. Sie werden gehackt oder von den Eigentümern selbst kriminell eingesetzt. Zum einen spionieren Drohnen über Mikrofone Gespräche in unseren Besprechungsräumen oder bei Spaziergängen aus. Zum anderen filmen diese Fluggeräte unsere Erlkönige, bevor die Prototypen getarnt werden. Die Aufnahmen werden von Drohnenpiloten an Magazine oder die Boulevardpresse verkauft. Ray schaffte deshalb das mobile Abwehrsystem Dropster mit Netzpistolen für an, dass bereits 2020 in Gefängnissen in Bayern Verwendung fand.[1] Lasst uns besser zurückgehen.“ Die Gruppe tut gut daran, denn die Arbeitswelt 4.0 hält eine weitere Überraschung für sie parat.

Der Schwarm, den ich rief?

Ray informiert im Verhandlungsraum: „Seit fünf Minuten bombardieren unzählige User die Factory mit Anfragen und Informationen. Die Kapazitäten unserer Internetseite ist erschöpft und die Kunden der Factory sind faktisch ausgeschlossen. Die IT ist lahmgelegt und der Schwarm zerstört das Kundenvertrauen in unser digitales Know How. Ich tippe auf eine Denial-of-Server-Aktion (Dos-Aktion).[2]

Soliana: „Es handelt sich wohl um Schwarm-Aktivitäten der Klimaaktivisten.“

Kara sieht in Rays, von Misstrauen gezeichnetes Gesicht: „Ray, auch, wenn die Dos-Attacke gerade jetzt kommt, hat der Betriebsrat nichts damit zu tun!“

Kevin: „Auch meine Gewerkschaft ist nicht an dieser Aktion beteiligt.[3] Klarstellung: Die Jugendlichen werden wohl kaum für Euch arbeiten und Mitglieder meiner Gewerkschaft sein.“

Soliana: „Jetzt sind wir alle gezwungen, die von den Klimaaktivisten geforderte Realisierung des Klimaprojektes: Smart Office Home (SOH) zu erfüllen. Ansonsten sieht es nicht gut für uns alle aus.“

„Genau“, meldet sich Ray: „Wenn wir heute nicht zu einem Ergebnis kommen, twitter ich: »Die Factory will das SOH einführen. Leider wollen Betriebsrat und Gewerkschaften nicht«. Der schwarze Peter liegt dann bei Euch!“

Phasen der digitalen Arbeit

Nur Kara reagiert: „Ray, lass mich kurz die Position des Betriebsrates skizzieren. Wir folgen der Unterscheidung zwischen ortsgebundenen und -ungebundenen Arbeitsplätzen, wie unsere Grafik zu den Phasen der digitalen Arbeitswelt zeigt. Durch die Arbeit mit digitalen Büro- und Kommunikationsmitteln in der Verwal­tung und im Dienstleistungsbereich können die Tätigkeiten auch außerhalb eines Unternehmens standortunabhängig im Rahmen der virtuellen Wertschöpfung getätigt werden. Produktionsanlagen in der Automobilindustrie oder Chemieanlagen der Chemieindust­rie können zwar überall auf der Welt errichtet werden, aber die Arbeit in diesen Produktionsbereichen muss regelmäßig vor Ort erfolgen. Die Übergänge von einer Phase in die nächste Phase sind aber fließend. Der virtuelle Produktionsraum der Arbeitswelt 4.0 realisiert sich für den Betriebsrat in drei Phasen. CyberCrime begleitet diese Entwicklung leider in ständig steigendem Maße. Die rote Phase hat Ray nicht angesprochen. Diese ist aber, wie Kevin verdeutlichte, für uns besonders wichtig, weil die Kollegen in den Büros oder im Homeoffice betroffen sind. Vor und während der Pandemie wurde schon mit Social Media Plattformen gearbeitet und neben den üblichen Büroarbeitsplätzen realisierte sich die anywhere-work. Ein Trend zum Homeoffice, Videokonferenzen, Cloudcomputing, virtuellen Teams und zur Digital Workforce etablierte sich. Die Smart Factory braucht smarte Mitarbeiter: Jedes Unternehmen wird zum Software-Unternehmen und die Kollegen zu Knowledge Workern.[4] Wir nutzen darüber hinaus Cloudwork und binden die interne Crowd sowie das Internet-Arbeitsverhältnis in die unternehmerische Wertschöpfung ein (2. Phase). Wir identifizierten auch die Relevanz der Coworking-Community. Phase drei prägen Open Innovation, die Künstliche Intelligenz und Machine-Learning sowie die Mensch-Maschine-Interaktion und die Digital Labour Force.“

Adil direkt: „Was aber versteckt sich hinter der von Ray geforderten zahlenmäßigen Verstärkung der Internet-Arbeitsverhältnisse?“

Kara bittet die Personalleiterin, die auf ihr Malediven Armband starrt, die Frage zu beantworten. Aber erst der Service-Roboter holt, nach dem Einsammeln der Cappuccino Tassen, Soliana zurück in die Realität. Er terminiert unbeabsichtigt die Bewegungssensoren der automatischen Sicherheitstür, die daraufhin ihren Geist aufgibt. Die Personalleiterin tut, sichtlich angespannt, wie ihr gesagt: „Ein Arbeitsvertrag ist Grundlage für die Beschäftigung im Unternehmen oder im Home-Office. Der interne Crowdworker wird über unsere Plattform in die Wertschöpfung eingebunden. Diese Crowdworker wiederum arbeiten an einem Arbeitsplatz im Unternehmen oder im Homeoffice. Ebenso ermöglicht die Digitalisierung auch eine grenzüberschreitende Beschäftigung. Das ortsungebundene Internet-Arbeitsverhältnis grenzüberschreitender Prägung meine ich.[5] Die Arbeitnehmer wohnen und arbeiten ständig im Ausland, sind aber bei einem deutschen Unternehmen beschäftigt. Der Vertrag wird mit der Factory direkt abgeschlossen und Ray kauft so günstig Arbeitskraft mit Internet-Arbeitnehmern als interne Crowdworker ein.“

Kara: „Genau. Ray führte mit der Digitalisierung auch Büroarbeit über unsere interne Arbeitskraft-Plattform ein. Dies alles reicht ihm nicht mehr aus.“

Soliana: „Unsere Sparbemühungen konzentrieren sich auf internes und externes Crowdworking. Wir müssen Tätigkeiten, die sonst von unseren Arbeitnehmern in Deutschland erledigt werden, über Plattformen an Internet-Arbeitnehmer und Selbständige auf der ganzen Welt vergeben, was sich auch auf die Beschäftigung in Deutschland auswirkt.“

Kara: „Aber Soliana. Unser Unternehmen hat mit dem Streichen aller Dienstreisen die Kosten gesenkt. Die Etablierung von internem Crowdworking flacht die ständig ansteigende Personalkostenkurve ab, weil wir auch festangestellte Crowdworker aus Estland oder Bulgarien in die Wertschöpfung integrieren. Damit nutzt die Factory bereits das Lohngefälle zwischen Deutschland und Estland oder Bulgarien. Jetzt sollen nach und nach deutsche Festangestellte entlassen und durch selbständige Crowdworker als auch Crowdshoring ersetzt werden!“

(Un-)Selbstständigkeits-Trias der digitalen Labour Force

Ray: „Ja. Beim letzten Meeting präsentierte ich das Sparprogramm unter dem Motto: Digital Workforce trifft sich in der Cloud. Spätestens mit Corona ist aber das Zeitalter der DIGITAL LABOUR FORCE angebrochen. Unsere Pläne umfassen eben nicht nur die Digital Workforce, sondern auch die Digital Labour Force, die Kara mit Phase 3 anspricht und ich mit der Grafik zeige:

  1. Arbeitnehmer (Digital Workforce) dazugehörig auch:
    • Interne Crowdworker, Mitarbeiter im Home- und Mobile Office, Mensch-Maschine-Teams und Internet-Arbeitnehmer,
    • Fremdfirmenbeschäftigte, Leiharbeiter sowie
  2. Selbstständige (z. B. Crowd- und Gigworker, Freelancer, Nomaden) und
  3. Arbeitnehmerähnliche Personen (§ 12a TVG, Heimarbeiter).[6]"

Soliana greift die Abbildung auf: „Wir differenzieren mit unserem Konzept zunächst zwischen internem Crowdworking mit festangestellten Mitarbeitern in Deutschland und externem Crowdworking mit Selbständigen all over the world. Letzteres wird allgemein auch als Crowdsourcing bezeichnet, weil das Unternehmen Arbeitsleistungen outsourct. Bei Outsourcing steht die organisatorische Verlagerung im Vordergrund, nicht die Geografische. Die Auslandsverlagerung von betrieblichen Aktivitäten wird als Offshoring bezeichnet. Unterteilt wird in Nearshoring (nahes Ausland) und Farshoring (weit entferntes Ausland). Da wir aber auch Internet-Arbeitnehmer fest verpflichten, verlagern wir betriebliche Aktivitäten ins Ausland und nutzen unsere interne Crowd mit unserer Plattform. Für mich ist Offshoring im Rahmen der internen Crowdwork mit Internet-Arbeitnehmern Crowdshoring. Wir nutzen Crowdshoring auch, um den Störfaktor des demographischen Wandels auszuschalten.“

Kevin: „Ray, was bedeutet dann für Dich: Digital Workforce?“

Ray: „In der digitalen Arbeits­welt kann die digitale Arbeit als Dachbegriff der erwerbsbezogenen Tätigkeiten verstanden werden, »die

  • unter maßgeblicher Nutzung informations- und kommunikationstechnischer Arbeits­mittel verrichtet werden - klassischerweise stationäre, mittlerweile zum großen Teil vernetzte Arbeitsplatzrechner, in stark zunehmender Tendenz aber auch mobile und gleichfalls vernetzte Devices wie Notebook, Tablets und Smartphones - und
  • deren Arbeitsgegenstände in wesentlichen Anteilen als Informationen in digitalisierter Form existieren«.[7]

Nach Diskussionen mit dem Betriebsrat beschreibe ich die Digital Workforce aus drei Perspektiven: Aus Sicht des Arbeitgebers, aus Sicht der Arbeitnehmer und aus Sicht der nationalen als auch internationalen Arbeitsmärkte. Kara hat Recht: Unsere Smart Factory braucht smarte Mitarbeiter, weil wir zu einem Unternehmen werden, in dem Software und der richtige Umgang mit dieser kriegsentscheidend sind. Dies gilt für die ortsgebundenen Arbeitsplätze ebenso, wie für die ortsungebundenen Arbeitsplätze. Unsere Kollegen werden zu Knowledge Workern, weil sie den ganzen Arbeitstag mit digitaler Technologie umgehen müssen.“

Kevin: „Was heißt denn das alles für unsere Kollegen?“

Kara: „Für unserer Kollegen bedeutet das auf der einen Seite Lebenslanges Lernen und die fortwährende Erlangung von Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt (Wissenschaftsgeschichte V). Auf der anderen Seite bedingt World Wide Work die unmittelbare Konkurrenz der Arbeitsbedingungen von Hoch- und Niedriglohnländern.[8]

Xanadu: „Diese Konkurrenz realisiert sich nicht für alle unmittelbar. Wohl steht die virtuelle, ortsungebundene Arbeit aufgrund der Konnektivität in weltweiter Konkurrenz. Dies gilt nicht für die ortsgebundene Arbeit. Anders als bei der ortsungebundenen Arbeit verbleibt der ortsgebundene Arbeitsplatz ja in Deutschland. Dies gilt dann nicht, wenn der Arbeitsplatz durch Offshoring auswandert. Dann gelten die Arbeitsbedingungen des neuen Standortes.“

Adil: „Differenziert Ray deshalb zwischen nationalen und internationalen Arbeitsmärkten?“

Soliana: „Ja. Mit der Digitalisierung und dem ortsungebundenen Arbeiten werden die Grenzen der Nationalstaaten irrelevant, wie das Beispiel des Internet-Arbeitsverhältnisses zeigt. Wir können geeignete Mitarbeiter über interne als auch externe Arbeitskraft-Plattformen weltweit suchen und finden. Die digitale Arbeitswelt bildet die Grundlage der menschlichen Arbeitstätigkeiten und führt zu einer weltweiten Entgrenzung der Arbeit.[9] Die digitale Arbeit muss im weiteren Sinne verstanden werden als die Beschäftigung im Normalarbeitsverhältnis. Jede persönlich für Dritte zu leistende Arbeit wirkt ohne Berücksichtigung des zugrundeliegenden Rechtsverhältnisses und des Arbeitsortes in der digitalen Arbeitswelt.[10] Bei der Wertschöpfung ist das Unternehmen in der digitalen Arbeitswelt flexibler, nicht mehr auf die eigenen Beschäftigten begrenzt und kann durch die Konnektivität auf die Digital Labour Force global zurückgreifen. Jede Personalabteilung überprüft vor diesem Hintergrund permanent die Personalzusammensetzung und -kosten. Die Digital Labour Force bietet für Unternehmen die Möglichkeit Arbeitskosten zu senken und Gewinnmaximierung zu betreiben, weil der Zugriff auf überregionale Arbeitskraft-Plattformen mit niedrigeren Lohnerwartungen der Tätigen Kostenvorteile bringen kann.[11]

Adil: „Sie sprechen von einem neuen weltumspannenden Taylorismus. Der Einsatz digital vernetzter Arbeitsmittel ermöglicht eine digital unterstützte Zerlegung (decomposition) des jeweiligen Arbeitsprozesses.[12] Die Factory kalkuliert nicht nur mit deutschen Crowdworkern.“

Ray direkt: „Adil genau, wir werden chinesische Crowdworker verpflichten. Diese sind zwar teuer, aber unser asiatischer Partner übernimmt 30% der Crowdworker-Kosten, sofern wir geeignete chinesische Crowdworker mit Qualifikationen in Sachen Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren verpflichten. Der Partner erwartet im Gegenzug auch den Einsatz automatisierter sowie autonomer Künstlicher Intelligenz in den Bereichen: Marketing, Forschung & Entwicklung, Personal und Verwaltung.[13] Das Personalbudget sinkt um 3.000.000 Euro jährlich.“

Kevin: „Ray. Für Sie besteht die Digital Workforce aus Arbeitnehmern, die verschiedene Arbeitsformen nutzen. Aus festangestellten deutschen Mitarbeitern machen sie festangestellte Internet-Arbeitnehmer, die irgendwo außerhalb von Deutschland wohnen und arbeiten, aber durch ihre Arbeitskraft-Plattform in die interne und virtuelle Wertschöpfung integriert werden. Die Workforce geht aber letztendlich in der Digital Labour Force auf, die zunehmend von Free- und E-Lancern, Nomaden, Gig- und externen Crowdworkern geprägt wird!“

Plötzlich erfüllt wieder ein ohrenbetäubender Lärm den Raum. Das Lasttragsystem einer Transport-Drohne ist zu Boden gerauscht und Ray stereotyp: „Alles okay. War wieder eine Transport-Drohne. Unsere Sicherheitsfenster schützen vor Unfällen.“

Kara antwortet für Ray, während dieser den Raum verlässt, um die CyberCrime-Abteilung über den Drohnenvorfall zu informieren: „Ja. Für Ray lösen sich Belegschaften in der Arbeitswelt 4.0 auf. Die dritte Phase der Digitalisierung wird real.“

Es entwickelt sich eine hitzige Diskussion über Sinn und Unsinn des Crowdshorings als auch des Crowdsourcings mit chinesischen Crowdworkern. Für die Einen gehen Ray´s Pläne zum Personalabbau zu weit, stellen diese doch den Standort Deutschland in Frage. Für die Anderen gibt es keine Alternative zu dem Konzept.

Was ist nachhaltig an der Arbeit zu Hause?

Leopold will beruhigen: „Corona machte das Homeoffice massentauglich.[14] Das Smart Office Home wiederum kann als Teil der Digital Labour Force die steuerliche Unterstützung als häuslicher Arbeitsplatz oder häusliches Arbeitszimmer im Interesse des Beschäftigten nutzen, reduziert Wegeunfälle im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung, dient dem Klimaschutz und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und verringert die Kosten der Unternehmen etc. Es dient der ökonomischen, ökologischen und der sozialen Nachhaltigkeit und hat viele Vorteile (zu diesen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: 2. Gebot der Agilität)."

Soliana: „Wie verbessert das SOH die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit?“

Leopold: „Fangen wir mit der sozialen Nachhaltigkeit an. Durch die Arbeit zu Hause haben die Beschäftigten weniger Stress, einen Arbeitsweg von wenigen Metern, tragen vielleicht Jogginghose statt Krawatte. Sie verbringen mehr Zeit mit der Familie statt mit den Kollegen und verbuchen einen persönlichen Zeitgewinn, weil das Pendeln zum Arbeitsplatz weggefallen ist. Die Beschäftigten zahlen weniger Steuern und sparen Geld, da Benzinkosten oder die Kosten für den Öffentlichen Nahverkehr wegfallen. Das Unfallrisiko für den Weg zur Arbeit (Wegeunfälle) fällt auch weg, weil der Weg zur Arbeit nur wenige Meter beträgt. Autoversicherungen werden billiger.“

Adil: „Leopold. In der Grafik findet sich als SOH-Vorteil die Entlastung der öffentlichen Infrastruktur als auch des öffentlichen Nahverkehrs. Luke argumentierte aber, dass der Work-From-home-Trend das Wirtschaftswachstum bremsen könne, weil die Finanzierung der Infrastruktur von denen am betrieblichen Arbeitsplatz Tätigen abhinge; durch die fehlende Nachfrage der Home Worker aber nicht mehr lohne.[15]"

Xanadu: „Ob das Wirtschaftswachstum durch die Arbeit von zu Hause ausgebremst wird, kann ich nicht sagen. Ein Gesichtspunkt ist aber wichtig: Das eingesparte Geld könnte der Mitarbeiter für den Wohnungskauf, die Altersversorgung oder die eigene Fortbildung nutzen, wovon auch Staat und Gesellschaft profitieren.“

Leopold: „Adil, vielleicht ist das eine Frage der Perspektive? Weniger Autoverkehr belasten das Klima, die Straßen und die eigenen Autos weniger. Weniger Pendler in Busen, S- oder U-Bahnen entlasten den öffentlichen Nahverkehr zugunsten der Schüler, Studenten oder Berufstätigen.“

Kara macht Nägel mit Köpfen: „Die ökonomische Nachhaltigkeit ist eindeutig. Das Ergebnis einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Civey in Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. vom August 2020, an der sich 2.500 Menschen in Deutschland beteiligt hatten, lässt keine Zweifel zu. Wir wissen seit Corona: Arbeiten im Home-Office ist effizienter und familienfreundlicher und bereits 2020 gaben mehr als ein Drittel der Befragten (37,8 Prozent) an, im Home-Office und durch den Einsatz digitaler Tools effizienter zu sein als im klassischen Berufsalltag mit Büro und Kollegen. Home-Office bringt für Arbeitnehmer und für Arbeitgeber klare Vorteile mit sich.[16]

„Durch die Arbeit von zu Hause aus verlieren die Arbeitnehmer den persönlichen Kontakt zu ihren Kollegen und den Führungskräften“, wendet Soliana ein.

Leopold: „Natürlich ist dem so. Daran müssen wir arbeiten, aber die Arbeit von zu Hause aus bedeutet eben auch mehr Produktivität, auch, weil der Office Homer Worker sich die Arbeit einteilen kann und dazu noch weniger Stress aufgrund des entfallenden Arbeitsweges hat.[17] Zudem spart der Arbeitgeber auch Geld, wenn Büroarbeitsplätze[18] nicht mehr vorgehalten werden müssen und sein Beitrag zur Unfallversicherung sinkt, weil die Zahl der Wegeunfälle zurückgeht.“

Die Eisberge sterben

„Leopold alles schön und gut. Aber was hat das mit ökologischer Nachhaltigkeit zu tun?“, fragt Ray.

Adil wird unruhig: „Wir sollten uns im Interesse der nachfolgenden Generationen nachhaltig benehmen. Dies gilt auch für die Arbeit 4.0. Einsparungen sind notwendig, denn wir alle hinterlassen einen beträchtlichen CO2-Fußabdruck durch unseren digitalen Lebensstil, wie ich Euch mit dieser Grafik des Öko-Instituts zeige. Bereits 2020 verursachte ein Bewohner in Deutschland durch den Verbrauch von Energie, Transport und CO2-äquivalente Emissionen (CO2e) von zwölf Tonnen pro Jahr. Ein klimaverträgliches Maß wäre nach damaliger Ansicht zwei Tonnen pro Jahr und Bewohner der Erde gewesen.[19]

„Wir können diese Belastungen unseres Planeten aber zum Teil durch ein intelligentes Vorgehen in der und mit der digitalen Arbeitswelt kompensieren. Nach Berechnungen des Institutes für angewandte Arbeitswissenschaft (2019) könnte in Deutschland, wenn 10 % der Erwerbstätigen (3,03 Millionen) einen Tag in der Woche von zu Hause aus tätig würden, 4.532.880.000 Kilometer an Pendelstrecke zwischen Wohn- und Arbeitsort, 133.320.000 Stunden an Fahrzeit und 853.248.000 Kilogramm CO2-Ausstoß pro Jahr eingespart werden[20]“, setzt Leopold fort.

Kara: „Auch Greenpeace wies auf die positive Klimawirkung der Arbeit im Home-Office hin und forderte entsprechende Regelungen. Ich fasse die Ergebnisse der damaligen Untersuchung in der Grafik einmal zusammen. Im konservativen Szenario (25% Telearbeit) spart ein Arbeitstag Home-Office 1,6 Millionen Tonnen CO2e pro Jahr ein und reduziert die Verkehrsleistung des Pendelverkehrs um 10,9 Milliarden Personenkilometer. Wenn Arbeitnehmer im Jahre 2020 zwei Tage pro Woche von zuhause gearbeitet hätten, wären 20,9 Milliarden Kilometer im Pendelverkehr und 3,2 Millionen Tonnen CO2e eingespart worden. Im fortschrittlichen Szenario von Greenpeace (40% Telearbeit) hätten die jährlichen Emissionseinsparungen durch einen Homeoffice-Tag bei 18,4 Milliarden Personenkilometer bzw. 2,8 Millionen Tonnen CO2e und bei zwei Tagen Home-Office bei 35,9 Milliarden Personenkilometer und 5,4 Millionen Tonnen CO2e gelegen."

Ray: „Schon klar. Wodurch wird der Arbeitsmarkt aber flexibler und durchlässiger?“

Adil: „Der Arbeitsmarkt wird flexibler und durchlässiger, weil Kollegen und Kolleginnen nicht in der Nähe der Factory leben müssen. Vielmehr können aufgrund der Konnektivität auch Beschäftigte in Friesland etwa, die in ihrer Heimat keine Arbeit finden, in die virtuelle Wertschöpfung eingebunden werden. Schließlich steigen durch das SOH sowohl der Digitalisierungsgrad als auch die -souveränität.“

Die Cyber Crime Agency (CCA) im Einsatz

Plötzlich stört die Sirene einer Polizeidrohne die Gespräche und sorgt für eine lähmende Stille im Sitzungsraum. Soliana springt auf, schaut nervös aus dem Fenster auf den Parkplatz, auf dem ihr Smart Car in der prallen Sonne auf sie wartet, während die E-Batterien vom Panoramadach mit Solarzellen aufgeladen werden. Die Drohne landet und die aussteigende Polizeibeamtin verharrt regungslos vor dieser. Eine weitere Person verlässt die Polizeidrohne und wendet sich dem Trakt mit den Sitzungsräumen zu. Soliana erkennt an der Augenbinde Harry, den Leiter der Cyber Crime Agency (CCA). Die Polizeibeamtin ist nicht lange allein. Im gegenüberliegenden Gebäude, in dem die CyberCrime Abteilung im wahrsten Sinne des Wortes residiert, öffnet sich eine Tür und drei Personen verlassen hastig in Richtung Drohne das Gebäude. Soliana kann es kaum glauben. Mitarbeiter von CyberCrime eskortieren einen ihr wohl bekannten Uniformierten in Handschellen und übergeben diesen samt Rucksack mit Maledivenanhänger an die Beamtin. Der braungebrannte Mitvierziger besteigt in aller Seelenruhe die in Richtung Wiesbaden abhebende Drohne.

Ray spricht die sichtlich angespannte Soliana behutsam an: „Du hast wohl Jochen von unserem externen Security-Dienstleister gesehen."

Bevor die Angesprochene reagiert, betritt Harry den Raum, mustert die Anwesenden mit seinem verbliebenen Auge: „Ich habe eine gute und zwei schlechte Nachrichten für Euch. Welche wollt Ihr zuerst hören?“ Ohne die Antwort abzuwarten, legt er schmunzelnd ein Smart Car-Modell auf den Besprechungstisch und erläutert die Geschehnisse: „Dieses wunderschöne Modell platzierte die CyberCrime-Abteilung im Medienraum, um Beamerdiebstähle aufzuklären. Das Car kann zwar nicht fahren, dafür aber Videoaufnahmen machen, die zeigen, wie ein Uniformierter im Medienraum das Netzwerk manipuliert. Die regulären Überwachungskameras wurden vorher vom Netz genommen. Wie dies geschehen konnte, wissen wir nun auch.“

Adil: „Wie lautet die erste schlechte Nachricht?“

Der Gefragte: „Die Bitcoins sind verloren und die erste Drohne wurde laut Flugschreiberauswertung gehackt, bevor diese am Fester zerschellte. Der Absturz des Lasttragsystems der zweiten Drohne ist demgegenüber auf technisches Versagen zurückzuführen. Die Drohne am Main, die ein Netzpistolenschuss ausschaltete, sollte Euch abhören“.

Ray: „Wie lautet die gute Nachricht?“

Harry: „Den ersten Innentäter und Insider Jochen konnten wir schon stellen und mit der Polizei-Drohne nach Wiesbaden schicken.“

Kara: „Wie lautet die zweite schlechte Nachricht?“

Der Einäugige: „Der zweite Insider befindet sich jetzt in diesem Raum.“

Fortsetzung folgt

Anmerkungen


[1]https://www.zeit.de/news/2010-10/14/bayern-startet-projekt-zur...-ueber-gefaengnissen?utm_referrer=htps%3A%2F%2Fwww.google.com (Abgerufen: 14.11.2020).

[2] Die Dos-Aktion findet sich als Arbeitskampfmittel beschrieben bei Giesen/Kersten, Arbeit 4.0, München 2017, S. 208 und als Hacker-Aktion bei Schack, Surfen auf dem digitalen Tsunami, Norderstedt 2017, S. 394.

[3] Vgl. Giesen/Kersten, Arbeit 4.0, München 2017, S. 208.

[4] Kühmayer, Digital Workforce: Mitarbeiter werden zu Daten-Experten https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/digital-workforce-mitarbeiter-werden-zu-daten-experten/ (Abgerufen: 31.07.2019).

[5] Däubler, Digitalisierung und Arbeitsrecht 6. Auflage, S. 415 f.

[6] Schack, Im Zeitalter der Digital Labour Force. In: Brandes, W. P. (Hrsg.), Digitale Heimat, Wiesbaden 2020, S. 105.

[7] Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.), Schwemmle/Wede, Digitale Arbeit in Deutschland, 2012, S. 14 f.

[8] Schack, ebenda, S. 105 f.

[9] Schack, ebenda, S. 105 f.

[10] Vgl. Tomandl/Risak, Vorwort. In: Dieselben (Hg.), Wie bewältigt das Recht modere Formen der Arbeit? Wiener Beiträge zum Arbeits- und Sozialrecht Bd. 61, Wien 2016, S. 7; Schack, ebenda, S. 115. 

[11] Kantar/Bertelsmann-Stiftung, Plattformarbeit in Deutschland, 2019, S. 53.

[12] Schack, Expertenmeinung, in: Kantar/Bertelsmann-Stiftung, Plattformarbeit in Deutschland, 2019, S. 50.

[13] Arthur D. Little & eco, Künstliche Intelligenz: Potenzial und nachhaltige Veränderung der deutschen Wirtschaft. In: Brandes, W. P. (Hrsg.), Digitale Heimat, Wiesbaden 2020, S. 128 ff.

[14]https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Mehr-als-10-millionen-arbeiten-ausschliesslich-im-Homeoffice (Abgerufen: 24.12.2020).

[15] Templeman, Luke, A work-from-home-tax, Konzept Deutsche Bank November 2020, S. 32 ff.

[16]https://www.eco.de/presse/eco-umfrage-arbeit-in-pandemiezeiten-wir...italer-fast-75-prozent-der-beschaeftigten-spuert-positive-effekte (Abgerufen: 26.08.2020).

[17]https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Mehr-als-10-millionen-arbeiten-ausschliesslich-im-Homeoffice (Abgerufen: 24.12.2020).

[18] PWC, Mehr Home, weniger Office, Oktober 2020, S. 13 ff.

[19] Gröger, Jens, Der CO2-Fußabdruck unseres digitalen Lebensstils https://blog.oeko.de/digitaler-co2-fussabdruck (Abgerufen: 01.09.2020).

[20] Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), Gutachten zur Mobilen Arbeit. Erstellt im Auftrag der Bundestagsfraktion der Freien Demokratischen Partei (FDP), Düsseldorf 2019, S. 56.



Smart Office Home und die Architektur der Arbeit 4.0

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Arbeitsort 4.0: Büro, Mobile- und Homeoffice, Smart Office Home und Coworking-Space

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